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Die Basler Zeitung gibt auf ihrer Onlineausgabe bazonline.ch an, dass sie keine Leserkommentare in Mundart wünscht. Sie behält sich vor, in Mundart gepostete Kommentare zu löschen. Die Massnahme ist untypisch für die Schweiz, wo Dialekt traditionell hohen Status hat.

Mehr lesen (inseriert):

In einer Klausel unter der Kommentierfunktion auf bazonline steht:

«Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen.»
— aus dem Abasatz «Regeln» im Kommentarbereich unter jedem Artikel auf bazonline.ch (nachformatiert)

Gleichstellung mit Fremdsprachen

Der Hinweis warnt auch vor der Löschung von Kommentaren in Fremdsprachen. Diese Regelung ist nachvollziehbar, weil Leserinnen der deutschsprachigen Zeitung keine englischen oder norwegischen Kommentare erwarten.

Wie steht es aber ums Verständnis von Mundart? Fast alle deutschsprachigen Schweizerinnen und Schweizer sprechen neben der Schweizer hochdeutschen Schriftsprache auch eine alemannische Mundart. Das Bundesamt für Statistik misst diese zwar als einzige Landessprache nicht, doch bis zur Bundesverwaltung weiss jeder, dass Schweizerdeutsch Alltagssprache ist.

«Vier offizielle Landessprachen kennt die Schweiz – und ist damit zumindest in Westeuropa einzigartig. Ausgenommen in der französischen Schweiz dominieren im Alltag aber nicht die offiziellen Standardsprachen, sondern die Dialekte.»
aus einerAussendung der Bundesverwaltung vom 06.03.2012

Mundart ist Muttersprache der Schweizer

Bis zum Aufstieg des Internets und digitaler sozialer Medien beschränkte sich Mundart tatsächlich auf den Mund. Sie war die gesprochene Alltagssprache. Seitdem aber viel öfter digital per Natel oder Computer kommuniziert wird, bekam das alemannische Schweizerdeutsch (wie etwa auch die bairischen Mundarten Österreichs) Schriftlichkeit.

Auf bazonline.ch sollte Dialekt erlaubt sein

Auch auf bazonline.ch sollten die Menschen in ihrer Muttersprache kommentieren dürfen. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Dialekten des Schweizerdeutschen sind kleiner als jene zum Schriftdeutschen. (Diese Unterschiede müssen Schweizer Kinder schon in der Primarstufe überwinden.) Im Zweifelsfall hilft das Schweizerdeutsche Wörterbuch.

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INFO ZU DIESEM ARTIKEL

VON: David Diem
VERÖFFENTLICHT: 25. Juli 2014 um 15:44
KOMMENTIERT: noch nicht (dazu hier klicken)
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IM RAMPENLICHT

Es gibt Bücher, die in zwei verschiedenen Sprachen auf je einer Seite des Bunds gedruckt sind. sagso empfiehlt sie für Kinder und Sprachlerner.