Linguistik kann die Lustigkeit eines Dialekts erklären.














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Sprachwissenschaft oder Linguistik ist ein zu unrecht unbekanntes Fach. Sowohl als Studienfach als auch als Wissenschaft ist die Linguistik nur wenigen ein Begriff. Und das, obwohl sich von Geburt an jeder Mensch dafür interessiert.

Mehr lesen (inseriert):

Es geht nicht um Sprachen. Nicht in dem Sinn, wie es andere Sprach-Studienfächer angehen. Stelle einem Linguisten nie die Frage, welche Sprachen er spricht.

Linguisten ≠ Leute, die viele Sprachen Sprechen

Klar, es geht im Grunde doch um Sprache. Aber nicht um Sprachen im Einzelnen: Linguistik erforscht die Sprache als ein System. Denn irgendwo im Inneren jeder beliebigen Sprache der Welt, so sind sich Linguisten einig, befindet sich ein universelles, genetisches System. Da sind sie alle gleich. Im Hirn des Sprechers wird eine spezifische Sprache, bevor sie seinen Mund verlässt, aber so geformt, gereiht und mit Vokabeln gefüllt, dass wir unterm Strich zwischen Chinesisch und Niederländisch keine Gemeinsamkeit finden.

Es geht um jede und keine Sprache

Linguisten sind klar im Vorteil, wenn sie mehrere Sprachen beherrschen. Das kommt halt beim betreiben der Wissenschaft sowieso. Viele Lingusiten sprechen aber nur ihre Muttersprache fließend. Du siehst: Es geht um alle oder keine Sprachen. Da Linguistik in vielerlei Hinsicht eine Naturwissenschaft, keine Geisteswissenschaft ist, muss der Linguist sich nicht durch endloses historisches Material quälen, also Shakespeare lesen oder Versformen auswendig lernen.

Was Philologie nicht macht, bleibt der Linguistik

Kultur, Literatur, Volksgeschichte – spannende Themen, aber nicht für den Linguisten. In diesen Umfeldern treiben sich dagegen die Philologen einer Sprache herum. Germanisten für Deutsch, Anglisten für Englisch und so weiter. Für die Linguistik interessant ist das, was übrig bleibt: Betonung, Sprachmelodie, Wortstellung. Und alle Klischees, die damit zusammenhängen, und hier wird es lustig.

Linguistik kann erklären, warum Bairisch lustig ist

und dass Schwarzamerikanisch eine nicht minder komplette Sprache ist als Standard American English. Als Naturwissenschaft geht die Linguistik objektiv und wertefrei an die Sache. Heraus kommt so mancher Fund, der uns als Laien nie plausibel erscheinen würde.

Interessant? Finde ich auch.

 

Und schlussendlich geht es um Sprache, und die war erstens immer schon interessant, und zweitens ist Sprachenkenntnis Gold in der Wirtschaft. Komisch, dass nicht einmal der ZEIT-Studienführer Linguistik kennt.

Titelbild: Linguistik kann die Lustigkeit eines Dialekts erklären. Foto (c) flickr Olivier Bruchez

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INFO ZU DIESEM ARTIKEL

VON: David Diem
VERÖFFENTLICHT: 8. Dezember 2012 um 03:01
KOMMENTIERT: noch nicht (dazu hier klicken)
TITELBILD: Alphornbläser/innen in der Zentralschweiz. © CC BY-SA 2.0 (verändert) flickr-Alias Alphornvereinigung Pilatus Kriens

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Es gibt Bücher, die in zwei verschiedenen Sprachen auf je einer Seite des Bunds gedruckt sind. sagso empfiehlt sie für Kinder und Sprachlerner.