Französisch in der Schule, weil Afrika

Viele deutschsprachige Schüler der Gymnasial-, Real- und Kantonalstufe stehen irgendwann vor der Wahl eines zweiten Fremdsprachenfaches. Sie lautet in etwa so: Spanisch oder Französisch? Latein oder Französisch? Latein oder Spanisch? Während manche nach kurzer Zeit wissen, was sie wählen, ist die Entscheidung für den Großteil der noch jugendlichen Schüler schwer. Oft gibt es in deren Famlien und Bekanntenkreisen Stimmen für beide beziehungsweise alle der Optionen. In den Klassen bilden sich zudem oft Gruppen und die Mitschüler beraten und überzeugen sich gegenseitig von einer Wahlmöglichkeit.

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Wenn auch du vor dieser Frage stehst, welche Fremdsprache als nächstes kommen soll:

Ich kann dir in diesem Artikel guten Rat geben – damit auch du die richtige Entscheidung triffst.

Spanisch oder Französisch?


Spanisch in der Schule, oder Französisch oder Latein

Eine Sache ist klar: Beide Sprachen haben wirtschaftliches Potenzial und können dich beruflich sehr viel weiter bringen. Bei mir war es seiner Zeit so, dass Spanisch von den Schülern als die schönere und sympathischere Sprache angesehen wurde. Man denkt dabei an Südamerika, wo bis auf Brasilien eigentlich überall Spanisch gesprochen wird. Spanier, so finden viele, sind auch lockerer drauf als Franzosen und was will man als Mitteleuropäer denn in Frankreich, wenn man auch in Spanien Urlaub machen kann.

Spanisch Franzoesisch Latein als SchulfachDoch aufgepasst: Mit Französisch kommt man in Europa in mehr Ländern durch, als mit Spanisch. Außer Frankreich und Monaco ist Französisch auch die offizielle Sprache der Schweiz, Luxemburgs und Belgiens, drei der politisch und wirtschaftlich wichtigen Länder in Europa beziehungsweise der EU. Französisch ist auch Arbeitssprache der Institutionen der EU (neben Deutsch und Englisch) – Spanisch ist das nicht. Auch bei den Vereinten Nationen (UNO) wird im Sekretariat Französisch neben Englisch als offizielle Arbeitssprache benutzt – Spanisch nicht.

Spanisch Franzoesisch Latein als SchulfachFranzösisch hat somit für einen Europäer eher den Status einer Politik- und Wirtschaftssprache als Spanisch. Gut, wird man sich denken, was ist aber, wenn man zufällig nicht vorhat, später für die EU oder UNO zu arbeiten, sondern die Sprache einfach fürs Leben lernen will? Klingt da Südamerika nicht interessanter? Das tut es wohl, aber Französisch kann hierzu mit ein Pendant entgegnen: Die geschätzte Hälfte des afrikanischen Kontinents ist französischsprachig. Ein Ausschnitt einer Grafik aus der Wikipedia zeigt dies. (Blau: weite Verbreitung oder Amtssprache; Hellblau: Nebensprache oder nicht offizielle Sprache; Grüne Quadrate: frankophone Minderheiten.)

Springt man in Gibraltar oder Südspanien ins Wasser und schwimmt nach Afrika (wenn das ginge), wäre man mit Französisch wahrscheinlich nicht schlechter aufgehoben als mit Spanisch. Je weiter man ins Innere des Kontinents, also der Länder Marokko oder Algerien vordringt, umso irrsinniger wäre es dann auch, es mit Spanisch zu versuchen. In einigen der hier (dunkel)blau gefärbten Länder in Mittel- und Westafrika sowie in Madagaskar wird Französisch nicht nur von Teilen der Bevölkerung gesprochen, sondern vom Großteil, oder es ist Amtssprache.

Um das Bild zu vervollständigen: Französischsprachige Länder sind auch in Nordamerika zu finden, namentlich Kanada. In Amerika nimmt Französisch also eher die Rolle der Sprache der «Ersten Welt» ein, während Spanisch die Sprache vieler Entwicklungsländer ist.

Spanisch Franzoesisch Latein als SchulfachFranzösisch ist daher auf der gleichen Interessantheitsstufe wie Spanisch.

Für Spanisch gilt, wie du weißt, ähnliches wie in den vorigen Zeilen beschrieben: Neben einem europäsichen Land mit Spanisch als Muttersprache findet sich auf der südlichen Erdhalbkugel praktisch ein ganzer Kontinent, auf dem einem die Sprache Nutzen bringt. In Nordamerika ist sie mit Mexiko vertreten und einige Inseln und Überseegebiete gehören zur spanischsprachigen Welt. Die roten Länder der Grafik haben Spanisch als einzige offizielle Sprache und die blauen als offizielle Sprache neben einer oder mehreren anderen. Ist dir Spanisch immer noch symphathischer? Wenn ja, dann trotzdem mit Recht – vielleicht hast du dir aber diese Frage bereits gestellt:

Was ist leichter zu lernen?

Diese Frage ist nicht beantwortbar. Was viel mehr zu deinem Lernerfolg und -spaß beiträgt sind folgende Gründe.

  • Für welche Länder interessierst du dich momentan mehr?
  • Wie lange wirst du dieses Fremdsprachenfach haben?

Letzteres bringt uns zum Punkt, wo eines klarzustellen ist: Sind die Wahlmöglichkeiten der Sprachen jeweils von gleicher Dauer, in Schuljahren gemessen? Es könnte beispielsweise so aussehen:

  1. Option: Französisch für sechs Jahre, Latein für vier Jahre
  2. Option: Latein für sechs Jahre, Spanisch für vier Jahre

Du musst nun viel mehr entscheiden, ob du lieber eine lebende, derzeit gesprochene Sprache lernen willst, um mit Leuten zu kommunizieren und in die Länder zu reisen, oder aber dich dem Studium einer altertümlichen Sprache widmen willst, die es geschafft hat, schriftlich (und in der katholischen Kirche mündlich) über Jahrhunderte erhalten zu bleiben. Denk also konkret nach, ob du, und wenn ja, wie lange du eine alte, «tote» Sprache lernen willst.

Warum denn Latein?

Spanisch Franzoesisch Latein als SchulfachLatein öffnet dir Türen zu vielen weiteren, heute gesprochenen, lebenden Fremdsprachen. Das heißt, die Kenntnis der Sprache ermöglicht es dir, beim Lesen und Hören von (vorzugsweise romanischen) Fremdsprachen, wie es Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch (und Rätoromanisch in der Schweiz) zu verstehen. Auch im Sprachunterricht deiner Muttersprache, sei es Deutsch, gewinnst du Vorteile. Du verstehst die Grammatik besser (weil du sie in Latein sehr gut dargestellt bekommst) und kannst die Bedeutung lateinischstämmiger deutscher Wörter herleiten (z. B. Dekadenz, Fenster, perfekt, Publikum …). Außerdem wirst du als Bonus plötzlich fähig sein, lateinische Inschriften auf alten Gebäuden, die andere nur als Dekoration wahrnehmen, zu verstehen.

Spanisch Franzoesisch Latein als SchulfachIm oberen Bild siehst du das Gebiet des Römischen Reiches vor 1900 Jahren. Latein hatte in den Jahrhunderten, in denen es als lebende Sprache existierte, verchiedene dialektartige Formen, die unter dem Namen Vulgärlatein oder Volkslatein bekannt sind. Diese Dialekte waren nichts anderes als die frühen Versionen der heutigen romanischen Sprachen, wie sie auf dieser Grafik zu sehen sind. Französisch oder Spanisch zum Beispiel sind, wenn man so will, also lateinische Dialekte.

Fazit & Entscheidungshilfe

Wähle die Option, die dich am meisten interessiert. Früher oder später wirst du die Aussprache jeder Fremdsprache verstehen und selbst annehmen. Optionen von längerer Dauer sind außerdem weitaus nützlicher als Fächer, die man nur drei oder vier Jahre lang hat.

Wer nach der Matura oder dem Abitur mit der Fähigkeit herauskommt, neben Deutsch und Englisch eine dritte Fremdsprache fließend sprechen zu können, ist in der derzieitgen Wirtschaft sehr gut aufgehoben. Weiters haben diejenigen, die das Gefühl haben, die Sprache wirklich anwenden können die Möglichkeit, die nächste Fremdsprache im Studium oder nebenbei zu lernen. Es handelt sich bei deiner jetzigen Entscheidung also um alles andere als etwas Endgülitiges.

 

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  1. Spanisch ist auch Amtssprache an den Vereinten Nationen
    neben arabisch, russisch und chinesisch.
    UNO Unterlagen dürfen nur auf eine von dieser Sprachen geschrieben werden
    Die Vorträge müssen auch auf eine von denen aber wenn jemand auf andere Sprache sprechen will, muss man einen Dolmetscher mitbringen.

    Houssam

    12 Nov 11 at 19:47

  2. Guten Abend! Die Begriffe waren hier ein wenig unklar definiert.
    Die Vereinten Nationenen haben laut eigener Aussage die sechs offiziellen Sprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und auch Spanisch – diese sind aber "lediglich" als solche anerkannt und Reden werden nur in ihnen akzeptiert (ansonten, wie Sie sagen, muss ein Dolmetscher dabei sein). Die zwei (offiziellen) Arbeitssprachen des UN-Organes schlechthin, des UN-Sekretariats (in New York sowie Genf, Nairobi und Wien) sind allerdings Englisch und Französisch.
    Ich habe den Satz im Artikel entsprechend präzisiert. Danke für Ihre Anregung.

    burlupar

    12 Nov 11 at 21:54

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INFO ZU DIESEM ARTIKEL

VON: David Diem
VERÖFFENTLICHT: 9. November 2011 um 23:46
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IM RAMPENLICHT

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